DruckversionE-Mail senden

Natürliche und zivilisatorische Quellen

Wenn man einen Geigerzähler bewusst so hält, dass er nicht in Richtung einer Strahlungsquelle zeigt - zum Beispiel irgendwo in die Luft - dann tickt er trotzdem weiter. Wo kommt die Strahlung her, die der Zähler da registriert? Sie wird im Wesentlichen aus drei Quellen gespeist: Aus der kosmischen Strahlung, aus natürlichen Radionukliden in der Luft (vor allem den Zerfallsprodukten des radioaktiven Edelgases Radon) und schließlich aus den natürlichen radioaktiven Stoffen im Boden und Gestein.

Dazu kommt der Einfluss des Menschen

Zu dieser natürlichen Strahlung kommen künstliche Strahlenquellen, die praktisch jeden Menschen einem gewissen Maß an Strahlung aussetzen. Dazu gehören zum Beispiel Röntgenaufnahmen beim Arzt. Dieses Modul zeigt uns zunächst, was alles um uns herum strahlt - von Sternen bis zu Steinen. Dann folgt ein Abschnitt darüber, wie viel diese Strahlung und die der künstlichen Quellen insgesamt ausmacht, und ob man sich vor ihr schützen kann.

Die kosmische Strahlung

Entdeckt wurde die kosmische Strahlung bereits 1912. Heute weiß man, dass sie überwiegend von Supernova-Explosionen und Röntgenausbrüchen rund um Schwarze Löcher, Quasare und Neutronensterne ausgeht. Und sie ist sehr durchdringend: Sie wurde sogar in 4.000 Meter Meerestiefe nachgewiesen. Die Teilchen besitzen Energien bis zu 10 hoch 20 eV, das ist über tausendmal mehr als man in irdischen Teilchenbeschleunigern erzeugen kann.

Die primäre Strahlung aus dem All setzt sich vor allem aus Protonen (84 Prozent) und Heliumkernen (12 Prozent) zusammen; daneben einem geringen Anteil schwererer Kerne. Die meisten dieser Teilchen reagieren mit den Gasatomen in der hohen Atmosphäre und erzeugen dabei neue Strahlungsarten. Neutronen, Elektronen, Myonen, Pionen. Die kosmische Strahlung, die man auf Meeresniveau misst, besteht daher praktisch vollständig aus dieser Sekundärstrahlung.

Kosmische Strahlung

Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts wurde das unerwartete Phänomen der Leitfähigkeit der Luft intensiv untersucht. Bald wurde klar, dass die kurz zuvor von Henri Becquerel entdeckte Radioaktivität von Uran und anderen Gesteinen eine der Ursachen sein musste. "Dann muss dieser Effekt auf der Spitze des Eiffelturms geringer sein" dachte Theodor Wulf, kletterte 1910 mit seiner Messapparatur hoch, fand aber keine Abnahme des Effekts. Seine kühne These: Außerirdische Strahlung.

Das wollte der Österreicher Viktor Hess genauer wissen. In mehreren Ballonaufstiegen untersuchte er diese Höhenstrahlung. Der Aufstieg am 17. April 1912 fand während einer Sonnenfinsternis statt. Aber er fand dabei keine Abnahme der Strahlungsintensität. Die Sonne konnte also wohl nicht die Ursache sein, so seine Annahme. Die Ballonfahrt am 7. August 1912 bis in Höhen von 5000 m brachte dann endlich den Beweis für die Strahlung aus dem Kosmos.

Zwar ist auch die Sonne an der kosmischen Strahlung beteiligt. Aber wer bei Sonnenstrahlung nur an sichtbares oder UV-Licht denkt, der liegt falsch: Der größte Teil der Energie verlässt die Sonne in Form von Gammastrahlung und gewaltigen „Teilchenschauern”, die immer wieder aus dem Sonneninneren ausbrechen. Alle elf Jahre sind diese Ausbrüche besonders stark. Hierbei handelt es sich um gewaltige Mengen an Protonen, allerdings von relativ geringer Energie. Ein kleiner Teil davon trifft auch die Erde - genauer: Die Magnetosphäre der Erde. Und die hält diese Protonen von der Erde fern, lenkt sie quasi wie ein Spiegel um die Erde herum.

Der Satellit SOHO („Solar and Heliospheric Observatory”) von NASA und ESA fotografiert die Sonne seit über zehn Jahren dauernd auf mehreren Wellenlängen. Für einen kurzen Ausflug auf die SOHO-Webseite mit ein paar beeindruckenden Bildern von Sonneneruptionen einfach mal die untenstehenden Links anklicken. Die Bilder der "LASCO"-Kameras verdienen besondere Beachtung: Sie zeigen die Protonenstürme.

Links: 
 

Der magnetische Raumanzug der Erde

"Schon mal was von Nord- oder Polarlichtern gehört oder sogar selbst einmal eines beim Urlaub in Skandinavien beobachtet?". Ein geheimnisvolles, flackerndes Leuchten in der Atmosphäre, bei dem große Teile des Himmels unscharf in allen möglichen Farben glühen.

Dieses Leuchten ist auf der Erde der sichtbare Beleg für den von der Sonne kommenden Teil der kosmischen Strahlung: Es wird von Protonen des Sonnenwinds hervorgerufen, die in die Atmosphäre einfallen und dort Luftteilchen anregen. Wenn die Gas-Atome wieder in den Grundzustand fallen, senden sie Licht im sichtbaren Bereich aus - Stickstoff eher blau-violett, Sauerstoff grün-rot.

Sekundärstrahlung


Bildquelle: ESA

Die Teilchen aus dem All besitzen nicht nur genug Energie, um Gasmoleküle zum Leuchten zu bringen, sie können sie sogar zertrümmern und selbst Teilchen erzeugen.

So entstehen neue Isotope wie das radioaktive Tritium oder das ebenfalls radioaktive C-14, aber auch Elektronen, Myonen, Mesonen, Neutronen und Gammaquanten. Ein Teil dieser „sekundären” Teilchen stößt auf dem Weg zum Erdboden wiederum mit Luftmolekülen zusammen. Dadurch werden zum Beispiel Elektronen, Neutronen und Gammastrahlung durch die Lufthülle effektiv abgeschirmt. Beispiel Neutronen: In 15 km Höhe machen sie noch etwa die Hälfte der Strahlendosis aus, am Boden ist ihr Beitrag verschwindend gering.

Der Hauptteil der Sekundärstrahlung am Boden – rund 90 Prozent – besteht aber aus Myonen, einem sehr kurzlebigen negativ oder positiv geladenen Elementarteilchen mit etwa der 200-fachen Elektronenmasse.

Strahlung beim Fliegen

Je höher man kommt, desto größer wird unsere Strahlendosis durch die kosmische Strahlung. In 1.000 Metern Höhe liegt sie bei 0,4 Millisievert (mSv)/a, in 3.000 Metern bei 1,1 mSv/a.

In Flugzeugen, die meist in einer Reiseflughöhe zwischen 7 und 12 Kilometer fliegen, hängt es sehr von der Flugroute ab, wie viel Strahlung man abbekommt; fliegt man in Äquatornähe, ist die Strahlung aufgrund des Erdmagnetfeldes deutlich niedriger als in Polnähe. Die Tabelle gibt einige Beispiele für Strahlenexpositionen bei Flügen (einfacher Flug).

Strecke Dauer Dosis in μSv
Frankfurt - London
1:40
4
Frankfurt - Palma de Mallorca
2:05
6
München - Las Palmas 4:40 12
München - New York 8:55 50
Frankfurt - Vancouver 9:50 65
Frankfurt - Johannesburg 10:10 24
Frankfurt - San Francisco 11:10 75
Frankfurt - Sao Paulo 11:50 30

Im Durchschnitt beträgt unsere Strahlendosis durch Flugreisen einige Mikrosievert (μSv) pro Jahr - also viel weniger als zum Beispiel bei einer typischen Röntgenaufnahme beim Arzt. Bei Raumflügen liegt die Strahlendosis übrigens viel höher: Die Astronauten, die auf dem Mond gelandet sind, erhielten Strahlendosen zwischen 5 und 15 mSv.

Natürliche Radionuklide

Der Planet Erde - Luft, Wasser, Boden - enthält natürliche radioaktive Isotope. Wo kommen die her? Sie stammen vor allem aus der Entstehungszeit der Erde und wurden bei der Zusammenballung der Gase in die Protoerde „eingebacken”. Wegen der langen Halbwertszeit existieren die meisten dieser Isotope heute noch und geben dabei ständig Strahlung ab.

Überall Strahlung

Aufgrund dieser natürlichen Quellen kann man fast überall Alpha-, Beta- und Gammastrahlung nachweisen - allerdings je nach Umgebung unterschiedlich viel. Der größte Anteil unserer natürlichen Strahlendosis stammt vom Gas Radon und seinen ebenfalls radioaktiven Folgeprodukten, die man mit der Atemluft aufnimmt (vor allem beim Aufenthalt in Kellerräumen und Höhlen), und dem Kalium 40, das der Körper z. B. in die Muskeln einlagert. Auch Gesteine können in manchen Gegenden einen großen Beitrag zur natürlichen Strahlendosis liefern.

Natürliche Radionuklide


Supernova (Bildquelle: ESA)
 
Alle Elemente auf der Erde, die schwerer sind als das Eisen, wurden bei der Entstehung der Erde aus dem Weltall eingefangen. Entstanden sind sie in massereichen Sternen; bei Supernova-Explosionen (Bild) oder ähnlichen gewaltigen Ereignissen wurden sie ins All geschleudert.
 
Weil die radioaktiven Isotope zum Teil extrem lange Halbwertszeiten besitzen, ist ihre Aktivität bis heute kaum abgeklungen. Beispiele für Isotope, die immer noch aktiv sind: Vanadium 50, Germanium 76, Cadmium 113 und 116, verschiedene Tellur-Isotope und vor allem Uran 238 und 235 sowie Thorium 232. Wie lange deren Halbwertszeiten sind, lässte sich mit dem Halbwertszeitenfinder herausbekommen.

Please use desktop version with Adobe Flash installation

Manchmal bilden radioaktive Isotope auch Zerfallsreihen, und zwar immer dann, wenn das Tochterisotop wieder radioaktiv ist. 

Zerfallsreihen

In der Natur gibt es drei große Zerfallsreihen:

Die Thorium-Reihe

Uran-Actinium-Reihe

Uran-Radium-Reihe

Eine vierte Reihe - die Neptunium-Reihe - war bereits „ausgestorben”, da das langlebigste Isotop dieser Reihe - das Neptunium-237 - "nur" eine Halbwertszeit von 2,144 x 10 hoch 6 Jahren besitzt. Diese Zerfallsreihe wurde aber durch die Nutzung der Kernenergie „wiederbelebt”, weil dabei auch Neptunium 237 entsteht.

Was fällt beim Betrachten der Zerfallsreihen auf?

Natürliche Radioaktivät im Keller…

Beim Betrachten der drei natürlichen Zerfallsreihen fällt sicher auf, dass sie alle beim selben stabilen Element enden - beim Blei. Und wer genau hingesehen hat, dem ist vielleicht noch etwas aufgefallen: Alle Reihen kommen beim Radon vorbei. Von Bedeutung für unsere Strahlenexposition ist dabei insbesondere das aus dem Zerfall des Ra-226 stammende Radon-222.

Radon ist ein relativ schweres Edelgas. Es entsteht im Erdboden oder im Mauerwerk, kann durch Ritzen und Spalten austreten, gelangt in die Luft - und kann dann natürlich eingeatmet werden. Typischerweise findet man Radon vor allem am Boden und im Keller. Die mittlere Rn-222-Aktivität der Luft im Freien beträgt 15 Bq/m³, typische Werte im Keller liegen bei 300 Bq/m³. In höheren Stockwerken gibt's weniger Radon.

Warum? Die Lösung ist ganz einfach: Die Halbwertszeit des langlebigsten Radon-Isotops beträgt knapp vier Tage. Damit hat das schwere Gas recht wenig Zeit, sich weiter zu verteilen, sobald es aus dem Boden und Gestein ausgetreten ist. Ein Großteil zerfällt daher in Bodennähe. Außerdem werden Kellerräume weniger gelüftet, so dass sich das Gas nicht verflüchtigen kann.

… im Wasser

Über der Meeresoberfläche ist die Radonkonzentration niedriger als in der Landluft, weil im Meerwasser weniger Radium enthalten ist - aus dem durch radioaktiven Zerfall dann auch weniger Radon entstehen kann. Anders ist es im Grund- und Quellwasser: Hier kann die Radonkonzentration erheblich höher liegen (bis zu einigen 100 Bq/l). Aber keine Bange: Radon verflüchtigt sich schnell, und im Leitungswasser liegt die Radon-Aktivität meist nicht höher als bei 1 bis 2 Bq/l.

… im Körper

Radon in der Atemluft ist nur ein Beispiel für einen radioaktiven Stoff, den man jeden Tag zu sich nimmt. Und es gibt auch radioaktive Isotope, die sich in Elementen befinden, die für den Körper lebensnotwendig sind. Kalium ist so ein Element; es spielt besonders bei der Reizweiterleitung in den Nerven eine Rolle. In jedem Menschen stecken etwa 2 Gramm Kalium pro Kilogramm Körpergewicht, darunter etwa 0,0117 Prozent radioaktives K-40. Diese Atome können auf zwei Wegen zerfallen:


Bildquelle: Kernenergie Basiswissen

Entweder sie wandeln sich per Betazerfall zu Kalzium 40 um (in 89 Prozent aller Fälle) oder sie fangen ein Elektron der innersten Elektronenschale ein (K-Einfang) und verwandeln sich dabei in angeregte Argon-40-Atome, die beim Fall in den Grundzustand Gammastrahlung abgeben.

… und im Gestein

Gesteine können ebenfalls radioaktiv strahlen. Dabei gilt die Faustregel: Urgestein - zum Beispiel der Granit, aus dem die Alpen bestehen - oder Vulkangestein strahlt stärker als Sedimentgestein - zum Beispiel der Elbsandstein. Und wenn der Boden zum Beispiel zufällig mehr Uran als üblich enthält, kann er sogar gehörig Strahlung abgeben. (Das Uran muss übrigens gar nicht im Untergrund liegen: Keramikkünstler und Glasbläser färben damit oft Glasuren für Geschirr oder Fliesen, denn das Uran erzeugt strahlendes Weiß, Rot, Gelb und Ockertöne sowie Farben, die im Dunkeln leuchten. Daher enthält die Strahlenschutzverordnung strenge Limitierungen für die Verwendung solcher Stoffe.)

Je nachdem, welche Sorte Gestein in der Gegend herumliegt (und aus welchem Gestein das Haus gebaut ist), ist man verschiedenen Strahlungsmengen ausgesetzt. Wie viel, das erklärt der Abschnitt "Die Strahlendosis insgesamt" in diesem Modul.

Künstliche Strahlenquellen
Die künstliche Strahlenexposition - oder, genauer: Die Strahlenexposition durch radioaktive Isotope und Strahlungsquellen, die es ohne den Einfluss der Menschen nicht gäbe - ist nicht zu unterschätzen. Sie ist etwa ebenso hoch wie die Strahlendosis aus Strahlenquellen, die ohnehin in der Natur vorhanden sind. Den größten Anteil daran hat das medizinische Röntgen.
Nur ein kleiner Rest
Viel geringer ist der Anteil der Strahlendosis, der aus anderen Quellen stammt, zum Beispiel Abluft und Abwasser aus Kernkraftwerken. Auch bei Kernwaffentests wurden radioaktive Nuklide in die Atmosphäre freigesetzt. Und schließlich wird sogar im Haushalt Strahlung erzeugt, zum Beispiel in manchen Armbanduhren und in Röhrenbildschirmen. Allerdings sind die Mengen unter dem Strich ziemlich gering, und verglichen mit dem Beitrag aus der Röntgendiagnostik sind sie fast vernachlässigbar.

Röntgen

Die Idee ist einfach: Der menschliche Körper ist für Licht der Wellenlängen zwischen 5 pm und 10 nm - dem Röntgenlicht - mehr oder minder durchsichtig. Die verschiedene Absorption bei Kalzium (Knochen), Fett und Wasser (Gewebe) ermöglicht ziemlich detaillierte Bilder.

Noch in den 1950er Jahren störte kaum jemanden, dass Röntgenlicht mehr Energie besitzt als sichtbares Licht: Da standen sogar in manchen Schuhläden Röntgengeräte, zum Prüfen, ob die neuen Schuhe richtig sitzen. Heute ist man vorsichtiger: Moderne Röntgengeräte belichten zum Beispiel häufig keine Filme mehr, sondern sind sozusagen Digitalkameras: CCD-Chips brauchen weniger Röntgenlicht pro Bild. Außerdem wird die Organdosis mit Hilfe der Energie (Beschleunigungsspannung) und Belichtungszeit dem untersuchten Organ angepasst.

Wie hoch ist die effektive Strahlendosis beim Röntgen?


Please use desktop version with Adobe Flash installation

Eine deutlich höhere Strahlenexposition stellen Computertomogramme („CTs”) dar, bei denen sehr viele Röntgenaufnahmen hintereinander gemacht werden.

Radionuklide in der Medizin

Die Nuklearmedizin beschäftigt sich mit der medizinischen Anwendung von radioaktiven Isotopen in zwei Bereichen: Zur Diagnose, also zum Erkennnen von Krankheiten, und zur Therapie, also zur Heilung. In der Diagnose verwendet man radioaktive Isotope als „Marker” oder „Tracer”. Man verabreicht kurzlebige Isotope mit energiearmer Strahlung, die der Körper entweder in das zu untersuchende Organ einlagert. Oder man baut diese Isotope in chemische Verbindungen ein, die im zu untersuchenden Organ eingelagert werden. Per Strahlungsmessung kann man dann verfolgen, welchen Weg die Stoffe gehen, wie schnell sie ausgeschieden werden, wie weit sich das Organ ausdehnt oder wie aktiv es arbeitet.
 
Bei solchen radiologischen Untersuchungen werden den Patienten Aktivitäten im Bereich von MBq (Mega-Becquerel) verabreicht; das führt zu Organdosen im Bereich von bis zu einigen Millisievert.
 
Ähnlich kann man auch bei der Therapie vorgehen: Etwa, wenn man radioaktive Isotope in einen Tumor einlagert, die so stark strahlen, dass sie die kranken Zellen abtöten. Üblicherweise bestrahlt man den Tumor jedoch von außen mit Röntgenstrahlung, Gamma-Strahlung oder Neutronen. Trickreiche Methoden (zum Beispiel Bestrahlung aus verschiedenen Winkeln) stellen sicher, dass die Strahlung überwiegend im Tumor ankommt und nicht im gesunden Gewebe.
 

Kernkraftwerke und kerntechnische Einrichtugnen

Auch im ordnungsgemäß laufenden Betrieb geben kerntechnische Einrichtungen radioaktive Stoffe ab - zum Beispiel mit der Abluft oder dem Abwasser. Die dabei zugelassenen Mengen sind in der Betriebsgenehmigung genau festgelegt.
 
Aufgrund der Ableitung von radioaktiven Stoffen mit Abluft und Abwasser darf in Deutschland an der ungünstigsten Stelle außerhalb einer kerntechnischen Anlage die effektive Dosis nicht mehr als 0,3 mSv pro Jahr betragen. Die offiziellen Messungen weisen weit geringere Werte aus.
 
Mehr Infos zur Strahlenexposition von Kernkraftwerken finden sich im Lexikon.

Kernwaffentests

Bei Kernwaffenexplosionen laufen unkontrollierte Kernspaltungen ab. Dabei entsteht eine Vielzahl von Isotopen, die meist radioaktiv sind. Diese werden bei der Explosion der Bombe buchstäblich in alle Winde zerstreut. Kurz: Atomwaffentests in der Atmosphäre setz(t)en große Mengen an Radioaktivität frei, wovon etwa die Hälfte im Umkreis von rund 100 Kilometern abregnen kann („lokaler Fallout”). Der Rest verteilt sich um die ganze Welt.

Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO wurden weltweit bisher mehr als 2.000 Atomwaffentests durchgeführt, davon rund 1.500 unterirdisch und über 500 in der Atmosphäre.

Bildschirme

Aus dem Dossier über Abschirmung ist vielleicht schon bekannt, dass Elektronen, die abgebremst und abgelenkt werden, Röntgenstrahlung abgeben. So etwas tritt auch beim einem "alten" Fernseher/Computermonitor mit Bildröhre auf: Auch hier wird ein Elektronenstrahl beschleunigt, in Richtung der vorderen Glasscheibe. Mit Hilfe von Magnetfeldern wird er abgelenkt, so dass der Strahl nacheinander die Bildpunkte im Bildschirm gezielt zum Leuchten anregen kann - indem er frontal auf die Leuchtschicht prallt.

Klar, dabei entsteht Röntgenstrahlung - doch das ist vergleichsweise wenig und gesetzlich streng limitiert. Mehr Strahlung kommt aus den Farbstoffen, die zum Leuchten angeregt werden; diese sind zum Teil radioaktiv und strahlen im Gammabereich. Doch auch diese Strahlung liegt im Bereich von einigen hundert pSv, also einigen 10-4 mSv.

Die Strahlendosis insgesamt

Das klingt jetzt so, als wäre die Welt ziemlich verstrahlt. Soll man keine Keller mehr betreten? Und bloß nicht in den Bergen wandern - sonst riskiert man ja Bestrahlung durch Granit und obendrein hinterher vielleicht eine Röntgenaufnahme nach einem Knochenbruch?

Wie viel Strahlendosis?

Tatsächlich kommt der Durchschnittsmensch in Deutschland auf eine Strahlendosis von rund 4 mSv pro Jahr, die sich etwa fifty-fifty auf die Strahlendosis durch das medizinische Röntgen und die natürliche Strahlung aufteilt - allerdings ist das ein statistischer Wert. Das heißt: Wer in diesem Jahr nicht geröntgt wird, der liegt vermutlich schon deutlich unter dem Durchschnitt. Und wer in einer Gegend wohnt, in der die natürliche Strahlung überdurchschnittlich hoch ist, der kann mehr abbekommen.

Vorsicht: Ja. Panik: Nein.

Man sollte allerdings bedenken: Schon immer lebt der Mensch mit Strahlung in seinem Körper und um ihn herum.

Strahlendosis insgesamt

Der Durchschnittsmensch in Deutschland bekommt in einem Jahr statistisch gesehen eine Dosisleistung von etwa 4 mSv ab, wovon 1,9 mSv aus der medizinischen Strahlenanwendung - überwiegend der Röntgendiagnostik - und 2,1 mSv aus natürlichen Quellen stammen. Die Nutzung der Kernenergie macht nur einen winzigen Bruchteil der Dosis aus künstlichen Quellen aus, weniger als 0,001 mSv.


Bildquelle: Radioaktivität und Strahlenschutz. Die Grafik zeigt die mittlere natürliche und zivilisatorische Strahlenexposition in Deutschland (2012).

Strahlendosis durch natürliche Quellen

Im Inneren des Körpers stammt der größte Anteil der Strahlendosis von den Zerfallsprodukten des Radon und Kalium-40. Die Gesamtaktivität des menschlichen Körpers beträgt rund 9.000 Bq - es passieren also in jeder Sekunde 9.000 Zerfälle im Körper. Nahrungsmittel haben immerhin eine Aktivität von etwa 40 Bq/kg - überwiegend Kalium-40.

Und die äußere Bestrahlung? Die folgende Tabelle zeigt, dass die natürliche Strahlenexposition aus dem Boden je nach Region allein in Deutschland sehr schwankt; und sogar noch mehr, wenn man Deutschland mit anderen Ländern vergleicht.

In der Schweiz zum Beispiel bekommen die Menschen durch den steinigen Untergrund und die große Höhe im Schnitt ebenfalls eine Jahresdosisleistung von rund 4 mSv/a ab - dabei ist die Dosis aus medizinischer Strahlenanwendung nur etwa halb so hoch wie in Deutschland.

Bundesland Ortsdosisleistung in mSv/a
Baden-Württemberg
0,38
Bayern
0,42
Berlin
0,19
Brandenburg
0,18
Bremen
0,26
Hamburg
0,35
Hessen
0,37
Mecklenburg-Vorpommern
0,22
Niedersachsen
0,29
Nordrhein-Westfalen
0,36
Rheinland-Pfalz
0,42
Saarland
0,49
Sachsen
0,35
Sachsen-Anhalt
0,27
Schleswig-Holstein
0,32
Thüringen
0,39

Strahlendosis durch künstliche Quellen 

Unsere durchschnittliche Strahlendosis durch künstliche Strahlenquellen - die zivilisatorische Strahlenexposition - wird fast vollständig durch die Anwendung ionisierender Strahlung und radioaktiver Stoffe in der Medizin - und hier insbesondere durch die Röntgendiagnostik - verursacht. In der folgenden Tabelle stehen die gerundeten Mittelwerte der effektiven Dosis einiger Röntgenuntersuchungen. Übrigens: Unsere Strahlendosis durch einen Urlaubsflug ist größer als durch die Ableitung radioaktiver Stoffe beim Normalbetrieb eines Kernkraftwerks.

Untersuchungsart effektive Dosis, mSv
CT Bauchraum
30
CT Brustkorb
20
CT Wirbelsäule
9
CT Kopf
2,5
Dickdarm
20
Schlagaderdarstellung
20
Dünndarm
16
Magen
9
Harntrakt
5
Lendenwirbelsäule
2
Becken
1
Brustkorb
0,3
Zahn
0,01

(CT = Computer-Tomographie) 

Strahlungsquellen - Zusammenfassung

Wir kennen nun die wichtigsten natürlichen und künstlichen Quellen für Radiaktivität. In der Natur geben die Isotope in den drei aus der Erdgeschichte noch natürlich vorhandenen Zerfallsreihen und einige andere radioaktive Isotope ionisierende Strahlung ab. Die größten Dosisbeiträge für den Menschen stammen dabei vom Edelgas Radon und dem radioaktiven Kalium-40-Isotop.

Die künstliche Strahlendosis – statistisch gesehen etwa ebenso hoch wie die natürliche Strahlendosis – stammt fast vollständig aus der Medizin - den Röntgenuntersuchungen.

Wer jetzt noch wissen will, wie man diese Strahlung – natürliche wie künstliche – abschirmt, der sollte doch gleich das Dossier über Strahlenabschirmung besuchen!

mit 854 Begriffen